HuB-Selbsthilfegruppe Bielefeld

Schwangerschaft und Schilddrüsenfunktion

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Schwangerschaft (4)

Frauen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen klagen oft über Zyklusstörungen, Unfruchtbarkeit (Infertilität), Fehlgeburtserfahrungen (rezidivierenden Aborten) oder anderen schwangerschaftsbeeinträchtigenden Sachverhalten, wie z.B. der Plazentainsuffizienz (ausgeprägte Funktionsstörung des Mutterkuchens) oder Frühgeburten. Frühgeburten sind hier definiert als Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW).

Jede Zelle unseres Körpers benötigt Schilddrüsenhormone um zu funktionieren. In der Schwangerschaft versorgt die mütterliche Schilddrüsenfunktion auch noch die Zellen des kindlichen Körpers. Es ist also nicht verwunderlich, dass die autoimmunbeeinträchtigte Schilddrüsenfunktion einer Frau Wirkung zeigt auf die Funktion der Eierstöcke, der Gebärmutter und den Verlauf einer Schwangerschaft.

Kategorien: Schwangerschaft

Mit der Schwangerschaft bildet Ihr Körper das Hormon humanes Choriongonadotropin (hCG). Es soll die Schwangerschaft schützen. Dieses Hormon hat Ähnlichkeit mit Ihrem von der Hypophyse gebildeten Thyreoidea stimulierenden Hormon (TSH). Die Produktion des basalen TSH sinkt deshalb und die Schilddrüse wird nun im ersten Drittel der Schwangerschaft (Trimenon) zur Ausschüttung von freiem T4 (fT4) und T3 (fT3) Schilddrüsenhormonen stimuliert. Sie entwickeln also eine schwangerschaftsinduzierte Hyperthyreose. Das T4-Hormon (Thyroxin) kann Ihre Plazenta passieren und ist für die Entwicklung des Gehirns des Fötus maßgeblich verantwortlich.

Mit der Schwangerschaft steigt östrogenbedingt auch Ihr von der Leber gebildetes Transporteiweiß thyroxinbindendes Globulin (TBG) im Blut um freie Schilddrüsenhormone zu binden. Der fT4-Spiegel im Blut sinkt. Es gibt ein negatives Feedback an die Schilddrüse, die nun noch mehr T4 bildet und ausschüttet.

Dieses hohe Produktionsniveau wird bis in die Spätschwangerschaft für die geistige und physische Entwicklung des Fötus benötigt. Er selber trägt nur gering zur eigenen Thyroxinversorgung bei, da sich die Ausreifung seiner Schilddrüse bis in die Zeit nach seiner Geburt erstreckt bzw. sich sein Bedarf zunehmend erhöht. Weil von der mütterlichen Schilddrüse ab der 5. SSW eine zunehmende Leistungssteigerung erwartet wird, die ab der 10. SSW ihren Vollleistung erreicht haben sollte und bis zur Entbindung funktionieren muss, garantiert eine vor der Schwangerschaft bestehende ausgeglichene Stoffwechsellage (Euthyreose) nicht automatisch für Mutter und Kind eine optimale Versorgung mit T4.

Neben der Förderung der fetalen Gehirnentwicklung (des Kindes) kann Thyroxin die Fehlgeburtenrate sowie die Frühgeburtenrate senken. Die Schilddrüsenhormone sollten also immer vom Gynäkologen/von der Gynäkologin mitkontrolliert werden. Dabei sollten sich Ihre fT4-Werte im Serum im oberen Drittel des normalen Referenzbereiches befinden.

Kategorien: Schwangerschaft

Die endokrinen Veränderungen in Form der schwangerschaftsinduzierten Hyperthyreose durch das hCG und die damit einhergehende Stoffwechselbelastung für Sie, die im ersten Trimenon besonders ausgeprägt sind, werden mit dem Auftreten von Emesis und Hyperemesis gravidarum in Verbindung gesetzt. In aller Regel liegt das Problem auch in der Familie, ist also genetisch mitbedingt. Gerne werden betroffene Frauen auch mit einer psychischen Komponente konfrontiert im Sinne der Ablehnung ihrer Schwangerschaft. Diese ursächliche Zuordnung ist allerdings wenig hilfreich und durch evidenzbasierte Studien nicht belegt. Zudem ist die Evidenz für therapeutische Wirksamkeit von Psychotherapie bei Hyperemesis gravidarum gering.

Bei der Diagnose Emesis handelt es sich um eine moderate Schwangerschaftsübelkeit mit gelegentlichem Erbrechen (<5 mal/Tag) ohne Krankheitsgefühl und ohne Einschränkung der allgemeinen Lebensqualität. Eine spezielle Diagnostik zur Abklärung ist nicht notwendig. Entgegen der Volksmeinung, dass das Erbrechen nur früh am Morgen im Zusammenhang mit dem Aufstehen auftritt, belegen Untersuchungen, dass bei 80 % die Übelkeit den ganzen Tag besteht und etwa 50 % über den Tag verteilt erbrechen. Ebenso endet das Phänomen nicht mit dem ersten Trimenon, sondern reicht gerne bis weit in das Zweite hinein. Eine wesentliche Beeinträchtigung der Schwangeren tritt jedoch nicht auf. Meist fühlen sich die Betroffenen nach dem Erbrechen besser. Die kindliche Prognose ist nicht eingeschränkt, im Gegenteil. Assoziiert mit einem hohen fT4-Angebot im Blut der Mutter, geht die Wissenschaft von einer damit garantierten guten geistigen Entwicklung des Kindes aus. Betroffene sollten kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Die erste Nahrungsaufnahme darf Ihnen dabei auch gerne im Bett angereicht werden. Säurehaltige Speisen oder Speisen, die von Ihnen als unangenehm empfunden werden, sollten Sie meiden. Eine spezielle Betreuung der Schwangerschaft ist nicht notwendig. Ein wichtiger Bestandteil in der medikamentösen Therapie ist Vitamin B6. Es reduziert die leichte bis mittelgradige Übelkeit. Es kann mit einem vom Gynäkologen/von der Gynäkologin verordneten Antiemetikum kombiniert werden.

Anders verhält es sich mit der Diagnose Hyperemesis gravidarum. Sie tritt mit einer Häufigkeit von 1-3% auf. Man unterscheidet zwei Stadien:

  • Stadium 1: Anhaltendes Erbrechen mit einer Frequenz von >5 mal /Tag. Sie fühlen sich schlapp und krank. Ihr Körpergewicht verringert sich mit mehr als 3 kg oder über 5 % Ihres eigentlichen Körpergewichtes. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme fällt Ihnen schwer.
  • Stadium 2: Zu den Problemen des 1. Stadiums kommt eine Entgleisung des Stoffwechsels in Form einer metabolischen Ketoazidose. Sie entwickeln ein hohes Krankheitsgefühl. Durch den hohen Elektrolytverlust kommt es zu einer Beeinträchtigung des Wasser- und Mineralhaushaltes mit Abnahme des Plasmawassers.

Es besteht Thrombosegefahr, Bluthochdruckgefahr, Frühpräeklamsiegefahr (Hypertensive Schwangerschaftserkrankung) und Gefahr der Ausbildung einer Plazentainsuffizienz (Ausgeprägte Funktionsstörung der Plazenta). Es handelt sich hier somit um ein ernstzunehmendes Krankheitsbild.

In Ihrem Urin lassen sich Ketonkörper, ein niedriger pH-Wert und ein erhöhtes Spezifisches Gewicht nachweisen. Ihr Blutbild zeigt einen hohen Hämatokrit-Wert. Die Elektrolyte sind niedrig mit einem insbesondere niedrigen Kaliumspiegel. Bei den Leberwerten prominieren die Transaminasen und das Bilirubin, d.h. die Leberfunktion ist gestört. Es lassen sich eine metabolische Ketoazidose und eine Ketonämie nachweisen. Ihre Schilddrüsenwerte weisen einen pathologisch hohen Thyroxin-Serumspiegel auf mit einem TSH-Abfall unter der Nachweisgrenze, d.h. die Schilddrüsenfunktion ist ebenfalls gestört.

Ursächlich für die Entgleisung der schwangerschaftsinduzierten Hyperthyreose kommen, neben anderen Erkrankungen, sowohl eine (autoimmune) Hyperthyreose- als auch -Hypothyreose Erkrankung in Frage.

Die Übelkeit besteht den ganzen Tag. Das unstillbare Erbrechen geht einher mit immer wiederkehrendem Druckanstieg im Ösophagus (Speiseröhre) und der Gefahr einer Mukosablutung (Schleimhautblutung) bis hin zur Ösophagusruptur (Riss der Speiseröhre). Die anhaltende Beeinträchtigung wirkt zermürbend auf Sie. Dennoch sind schwere somatisch lebensbedrohliche Komplikationen von Mutter und Kind die Ausnahme. Es besteht aber eine doppelt so hohe Gefahr für eine Frühgeburtlichkeit oder die Wachstumsverzögerung des Kindes infolge einer Plazentainsuffizienz. Mittlerweile kann man das Risiko mit Ultraschall und Doppler-Ultraschall gut beurteilen. Sie sollten sich rechtzeitig mit Ihrem Gynäkologen/Ihrer Gynäkologin über die Notwendigkeit eines Kaiserschnittgeburt unterhalten.

Ihr Gynäkologe/Ihre Gynäkologin wird Ihnen wegen der Hyperemesis gravidarum Antiemetika und eine Infusionstherapie mit Vitaminen verabreichen. Gelegentlich kommen, entsprechend des Therapiebedarfs, auch Antihistaminika oder Anticholinergika zum Einsatz.

Kategorien: Schwangerschaft

Frauen mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung und Kinderwunsch sollten sich frühzeitig um die Beratung und Unterstützung durch eine erfahrene Hebamme bemühen. Eine durch die Krankenkasse finanzierte Betreuung im Rahmen von Geburtsvorbereitung durch eine Hebamme ist unter Umständen auch schon regelmäßig vor der Geburt notwendig und möglich. Die Gewissheit der Schwangeren, sich und das Kind sicher versorgt zu wissen, ist gerade bei Auftreten der Hyperemesis gravidarum die größte psychische Stärkung.

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Gruppentreffen 2020

Die Treffen finden statt im
Klinikum Bielefeld Mitte,
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Seminarraum 2 im Erdgeschoss.
Beginn jeweils um 19:00 Uhr

20.01.2020
(Thema: Digitalisierung im Gesundheitswesen), 16.03.2020, 11.05.2020*,
22.06.2020, 14.09.2020, 09.11.2020*

Die Treffen mit * finden statt im
EvKB Johannisstift,
Schildescher Straße 99,
33611 Bielefeld ,
Raum: Hörsaal.
Beginn jeweils um 19:00 Uhr