Die endokrinen Veränderungen in Form der schwangerschaftsinduzierten Hyperthyreose durch das hCG und die damit einhergehende Stoffwechselbelastung für Sie, die im ersten Trimenon besonders ausgeprägt sind, werden mit dem Auftreten von Emesis und Hyperemesis gravidarum in Verbindung gesetzt. In aller Regel liegt das Problem auch in der Familie, ist also genetisch mitbedingt. Gerne werden betroffene Frauen auch mit einer psychischen Komponente konfrontiert im Sinne der Ablehnung ihrer Schwangerschaft. Diese ursächliche Zuordnung ist allerdings wenig hilfreich und durch evidenzbasierte Studien nicht belegt. Zudem ist die Evidenz für therapeutische Wirksamkeit von Psychotherapie bei Hyperemesis gravidarum gering.

Bei der Diagnose Emesis handelt es sich um eine moderate Schwangerschaftsübelkeit mit gelegentlichem Erbrechen (<5 mal/Tag) ohne Krankheitsgefühl und ohne Einschränkung der allgemeinen Lebensqualität. Eine spezielle Diagnostik zur Abklärung ist nicht notwendig. Entgegen der Volksmeinung, dass das Erbrechen nur früh am Morgen im Zusammenhang mit dem Aufstehen auftritt, belegen Untersuchungen, dass bei 80 % die Übelkeit den ganzen Tag besteht und etwa 50 % über den Tag verteilt erbrechen. Ebenso endet das Phänomen nicht mit dem ersten Trimenon, sondern reicht gerne bis weit in das Zweite hinein. Eine wesentliche Beeinträchtigung der Schwangeren tritt jedoch nicht auf. Meist fühlen sich die Betroffenen nach dem Erbrechen besser. Die kindliche Prognose ist nicht eingeschränkt, im Gegenteil. Assoziiert mit einem hohen fT4-Angebot im Blut der Mutter, geht die Wissenschaft von einer damit garantierten guten geistigen Entwicklung des Kindes aus. Betroffene sollten kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Die erste Nahrungsaufnahme darf Ihnen dabei auch gerne im Bett angereicht werden. Säurehaltige Speisen oder Speisen, die von Ihnen als unangenehm empfunden werden, sollten Sie meiden. Eine spezielle Betreuung der Schwangerschaft ist nicht notwendig. Ein wichtiger Bestandteil in der medikamentösen Therapie ist Vitamin B6. Es reduziert die leichte bis mittelgradige Übelkeit. Es kann mit einem vom Gynäkologen/von der Gynäkologin verordneten Antiemetikum kombiniert werden.

Anders verhält es sich mit der Diagnose Hyperemesis gravidarum. Sie tritt mit einer Häufigkeit von 1-3% auf. Man unterscheidet zwei Stadien:

  • Stadium 1: Anhaltendes Erbrechen mit einer Frequenz von >5 mal /Tag. Sie fühlen sich schlapp und krank. Ihr Körpergewicht verringert sich mit mehr als 3 kg oder über 5 % Ihres eigentlichen Körpergewichtes. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme fällt Ihnen schwer.
  • Stadium 2: Zu den Problemen des 1. Stadiums kommt eine Entgleisung des Stoffwechsels in Form einer metabolischen Ketoazidose. Sie entwickeln ein hohes Krankheitsgefühl. Durch den hohen Elektrolytverlust kommt es zu einer Beeinträchtigung des Wasser- und Mineralhaushaltes mit Abnahme des Plasmawassers.

Es besteht Thrombosegefahr, Bluthochdruckgefahr, Frühpräeklamsiegefahr (Hypertensive Schwangerschaftserkrankung) und Gefahr der Ausbildung einer Plazentainsuffizienz (Ausgeprägte Funktionsstörung der Plazenta). Es handelt sich hier somit um ein ernstzunehmendes Krankheitsbild.

In Ihrem Urin lassen sich Ketonkörper, ein niedriger pH-Wert und ein erhöhtes Spezifisches Gewicht nachweisen. Ihr Blutbild zeigt einen hohen Hämatokrit-Wert. Die Elektrolyte sind niedrig mit einem insbesondere niedrigen Kaliumspiegel. Bei den Leberwerten prominieren die Transaminasen und das Bilirubin, d.h. die Leberfunktion ist gestört. Es lassen sich eine metabolische Ketoazidose und eine Ketonämie nachweisen. Ihre Schilddrüsenwerte weisen einen pathologisch hohen Thyroxin-Serumspiegel auf mit einem TSH-Abfall unter der Nachweisgrenze, d.h. die Schilddrüsenfunktion ist ebenfalls gestört.

Ursächlich für die Entgleisung der schwangerschaftsinduzierten Hyperthyreose kommen, neben anderen Erkrankungen, sowohl eine (autoimmune) Hyperthyreose- als auch -Hypothyreose Erkrankung in Frage.

Die Übelkeit besteht den ganzen Tag. Das unstillbare Erbrechen geht einher mit immer wiederkehrendem Druckanstieg im Ösophagus (Speiseröhre) und der Gefahr einer Mukosablutung (Schleimhautblutung) bis hin zur Ösophagusruptur (Riss der Speiseröhre). Die anhaltende Beeinträchtigung wirkt zermürbend auf Sie. Dennoch sind schwere somatisch lebensbedrohliche Komplikationen von Mutter und Kind die Ausnahme. Es besteht aber eine doppelt so hohe Gefahr für eine Frühgeburtlichkeit oder die Wachstumsverzögerung des Kindes infolge einer Plazentainsuffizienz. Mittlerweile kann man das Risiko mit Ultraschall und Doppler-Ultraschall gut beurteilen. Sie sollten sich rechtzeitig mit Ihrem Gynäkologen/Ihrer Gynäkologin über die Notwendigkeit eines Kaiserschnittgeburt unterhalten.

Ihr Gynäkologe/Ihre Gynäkologin wird Ihnen wegen der Hyperemesis gravidarum Antiemetika und eine Infusionstherapie mit Vitaminen verabreichen. Gelegentlich kommen, entsprechend des Therapiebedarfs, auch Antihistaminika oder Anticholinergika zum Einsatz.