Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass es in Ihrer Familie häufig die Diagnose Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto gibt. Das liegt an der genetischen Veranlagung, die über Generationen weitergegeben wird. In verschiedenen Studien wurde nachgewiesen, dass eine Assoziation zwischen den HLA-Klasse-II-Molekülen B8, DR3, DR4, DR5 und DQB10301 (besitzen Antigene, die die immunologische Selbsterkennung oder die Gewebeverträglichkeitsprüfung durch unser Immunsystem ermöglichen und insbesondere mit den CD4-T-Lymphozyten interagieren) und dem Auftreten einer Hashimoto-Thyreoiditis besteht. Die Assoziation mit z.B. HLA-DR3 wird eher mit der atrophen Variante verbunden und HLA-DR5 eher mit der hypertrophen Erkrankungsform.

Häufig besteht eine Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen bei o.g. HLA-Merkmalen:

  • Autoimmunhepatitis – entzündliche Erkrankung der Leber
  • Chronische-atrophische Gastritis – Form der Magenschleimhautentzündung, die zu einer Abnahme der Schleimhautdicke und -falten führt
  • Diabetes mellitus Typ 1 – Form der „Zuckerkrankheit“
  • Endokrine Orbitopathie – entzündliche Erkrankung, bei der es zu einem Exophthalmus (Hervorstehen der Augäpfel) kommt
  • Hashimoto Enzephalopathie, jetzt als steroidresponsive Enzephalopathie assoziiert mit Autoimmunthyreoiditis (SREAT), ist gekennzeichnet durch neurologische und psychiatrische Symptome – entzündliche Erkrankung von Gehirngewebe
  • Immunthrombozytopenie/Autoimmunthrombozytopenie – erhöhter Abbau von Thrombozyten (Blutplättchen) und infolgedessen erhöhte Blutungsneigung
  • Kreisrunder Haarausfall
  • Morbus Addison – Nebennierenrindeninsuffizienz
  • Morbus Duhring – Hautkrankheit aus der Gruppe der blasenbildenden Autoimmundermatosen mit subepidermaler Blasenbildung
  • Polyglanduläres Autoimmunsyndrom – Form der Autoimmunerkrankung, bei der mehrere Drüsen erkrankt sind
  • Rheumatoide Arthritis – entzündliche Erkrankung der Gelenke
  • Sjögren-Syndrom (Gruppe der Sicca-Syndrome) – Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch entzündlichen Erkrankung der exokrinen Drüsen, am häufigsten der Speichel- und Tränendrüsen, führt. Typische Folgeerkrankungen bzw. Komplikationen sind:
    • Keratokonjunktivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges) aufgrund fehlender Benetzung von Horn- und Bindehaut mit Tränenflüssigkeit
    • erhöhte Kariesanfälligkeit durch Xerostomie (Mundtrockenheit) aufgrund verminderter Speichelsekretion
    • Rhinitis sicca (trockene Nasenschleimhäute), Heiserkeit und chronischer Hustenreiz sowie eine gestörte Sexualfunktion durch Störung der Schleimdrüsenproduktion des Respirationstraktes und der Genitalorgane
  • Systemischer Lupus erythematodes – Systemerkrankung, die die Haut und das Bindegewebe der Gefäße betrifft und so zu Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) zahlreicher Organe führt
  • Vitiligo/Weißfleckenkrankheit – Hautveränderung, die durch einen zunehmenden Pigmentmangel bedingt ist
  • Zöliakie – durch eine Unverträglichkeit von Gluten hervorgerufen

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird z.B. auch von einer Prävalenz (Vorherrschen) der Hashimoto-Thyreoiditis bei Patienten mit Morbus Alzheimer, Down-Syndrom und Turner Syndrom berichtet.

Stoffwechselbedingt kann es ebenfalls zu Folgeerkrankungen kommen. Patienten mit niedrigen fT4-Werten weisen i.d.R. auch erhöhte Triglyzeride und Cholesterinwerte im Blut (Hyperlipidämie) auf Grund einer Fettstoffwechselverzögerung auf. In Fachkreisen wird daraus ein Risiko für Arteriosklerose abgeleitet.

Die Magen- und Darmfunktionen sind ebenfalls beeinträchtigt. Die Muskelaktivität und die Schleimhautfunktion des Verdauungstraktes nehmen ab. Das führt zu einer unvollständigen Verdauung der Nahrungsbreies. Gerade die Zuckerbestandteile führen dann zu einer Fehlbesiedlung des Darms mit Pilzen oder den Bakterien Clostridien.

Wenn Sie Ihre Hashimoto-Erkrankung mit Schilddrüsenhormonpräparaten behandeln, können Sie einen Diabetes Typ 3 entwickeln. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) unterteilen die verschiedenen Formen des Typ 3 Diabetes in acht Untergruppen. Von Schilddrüsenhormonen ist bekannt, dass sie eine diabetesfördernde Wirkung haben. Daher ist eine entsprechende Diabeteserkrankung dem „Diabetes Typ3 E“ zuzuordnen (Diabetes durch Medikamente oder Chemikalien). Meist unerkannt verläuft vor der Diagnosestellung Diabetes die Phase der Glukoseintoleranz (IGT). Dies kann von Ihrem Arzt durch einen Glukosebelastungstest ermittelt werden.

Des Weiteren kann es stoffwechselbedingt zu perineuralen (um den Nerven herum) mucoproteinhaltigen Ablagerungen (bestehend aus Schleim und Eiweiß) in den Extremitäten kommen. Daraus resultiert dann ein Karpaltunnelsyndrom an den Händen oder ein Tarsaltunnelsyndrom an den Füßen. Viele Betroffene berichten auch von Muskelkrämpfen. Diese sind eine Folge der Verlangsamung der Entspannungsphase der Nerven.