Ihr Arzt kann Ihnen keine ursächliche, also kausale Therapie anbieten. Es gibt keine Therapie, die heilt und es wird auch nicht danach geforscht. So ist auch zu erklären, dass sich Leitlinien immer nur mit dem relativ einfach therapierbaren Symptom der Unterfunktion einer Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto beschäftigen. Die Pharmaindustrie bietet da ein breites Spektrum und verdient offensichtlich gut daran.

Die aktuelle Leitlinie für den Hausarzt legt deutliche Standards: Eine Therapieindikation besteht nur bei einer manifesten Hypothyreose, also bei hohen TSH-Werten. Allerdings wird in endokrinologischen Artikeln nach einer Hashimoto-Diagnose bei latenter Hypothyreose eine Hormonsubstitution empfohlen um das entzündete Organ zu entlasten und die Etablierung einer manifesten Hypothyreose unabhängig von der Höhe der Antikörper zu vermeiden.

Konkret wird in dieser Leitlinie empfohlen:

  • Bei Patienten mit einem TSH-Wert über 6 mU/l und positiven TPO-Antikörpern ist eine Behandlung dauerhaft mit T4 (Levothyroxin, L-Thyroxin) vertretbar.
  • Nach Einleitung einer Therapie mit T4 oder Änderung der Dosis sollten frühestens nach 8 Wochen die Schilddrüsenwerte wieder überprüft werden, da die Hypophyse 8-12 Wochen als Zeit für einen Anpassungsprozess benötigt. Unklar ist hier, welche Werte genau in Summe gemeint sind.
  • TSH-Wert Kontrollen können nach der endgültigen Dosisbestimmung sowie bei Verzicht auf eine Therapie in den ersten 2 Jahren halbjährlich und anschließend jährlich erfolgen.
  • Allerdings sollte wegen fehlender Studien die Therapieentscheidung zwischen Arzt und Patient individuell unter Berücksichtigung der Patienteninteressen und möglicher Folgeerkrankungen bei Therapieverzicht, wie z.B. kardiovaskuläre Erkrankungen, getroffen werden.

Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass bei entsprechendem Beschwerdebild einer Konversionsstörung (Umwandlungsstörung) auch der Einsatz eines Kombipräparates mit T3 und T4 diskutiert werden könnte. Ebenso sei darauf hingewiesen, dass den Endokrinologen das Phänomen der Schilddrüsenhormonresistenz durchaus bekannt ist, welche u.U. eine reine T3-Therapie rechtfertigt.

Die Höhe des physiologischen Hormonbedarfs an T4 kann nach µg/kg Körpergewicht berechnet werden. Grundsätzlich nimmt der Bedarf mit dem Alter ab. Hier zwei Beispiele:

  • Erwachsene brauchen 1,5-1,7 µg/kg Körpergewicht.
  • Jugendliche brauchen 2-3 µg/kg Körpergewicht,

Die Dosis sollte stufenweise jeweils nach etwa 6 Wochen in 25 µg-Schritten eingestellt werden, bis eine TSH-Wertanpassung im Normbereich erzielt ist. Das Absetzen eines Präparates wird von den Herstellern in gleicher Weise empfohlen.

Die Bioverfügbarkeit Ihres Präparates hängt von den Hilfsstoffen ab, die der Hersteller verwendet. Daher ist ein unkontrollierter Wechsel unter verschiedenen Herstellern zu vermeiden.

Die Einnahme des Präparates sollte mit Leitungswasser, morgens und mindestens 30 min vor der ersten Nahrungsaufnahme erfolgen. Calcium, Eisen und Aluminium verhindern die Resorption von Thyroxin im Darm. D.h. es ist nicht sinnvoll z.B. Milchprodukte oder Mineralwasser zum Einnehmen zu verwenden.