Zunächst wird Ihr Arzt sich Ihre Beschwerden schildern lassen. Vielleicht wird er Ihnen auch sagen, das seien alles unspezifische Symptome. Wenn Sie sich einen eher erfahrenen Arzt ausgesucht haben, wird er unter Umständen zunächst mit einer Tastuntersuchung starten um weitere Krankheitsbilder auszuschließen. Durch die Entzündung Ihres Schilddrüsengewebes kann es bereits zu einer bindegewebigen Umstrukturierung gekommen sein. Das fühlt sich dann deutlich fester an. Dieses Vorgehen wird auch von der aktuell gültigen Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“ mit der AWMF-Register-Nr. 053-046 und der DEGAM-Leitlinie-Nr. 18 Klasse S2k empfohlen. Leider verrät schon der Titel dieser Leitlinie, dass hier ein Vorgehen empfohlen wird, welches die Funktionsfähigkeit der Hypophyse fokussiert und nicht eine Autoimmunerkrankung mit Blickrichtung auf die Schilddrüse. Zur Legitimation wurde das in der Leitlinie beschriebene Vorgehen mit einem Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, zwei Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und einem Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin als konsensfähig erklärt. Ziel der Leitlinie ist es eine Pathologisierung von Gesunden sowie eine Überversorgung zu vermeiden.

Folgendes ergibt sich nun bezüglich des diagnostischen Vorgehens:

  • Ihre Beschwerdeschilderung wird eventuell genutzt um weitere Krankheitsbilder abzuklären. Die gezielte Abfrage von typischen Beschwerden und Symptomen bei einem Verdacht auf eine (autoimmune) Schilddrüsenerkrankung zwecks Diagnoseabsicherung hat keine Handlungsempfehlung für die Ärzte erhalten.
  • Ultraschall: Es wird beschrieben, dass diese Untersuchung bei Immunthyreopathien eine zuverlässigere (sensitivere) Aussagekraft hat, als die Antikörper-Bestimmung, und das Ausmaß der Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto von versierten Untersuchern auch gut erfasst werden kann. Ihr Arzt wird Ihnen sonographisch eine diffuse echoarme Gewebestruktur beschreiben. Dennoch wird die Untersuchung für verzichtbar erklärt, da das Ergebnis keine Auswirkungen auf die Therapieentscheidung hat.
  • TSH basal (grundlegendes, zu ermittelndes Thyreoidea stimulierendes Hormon der Hypophyse): Die Serumnormwerte sind verfahrensabhängig und damit laborabhängig. Sogar international variieren die Referenzbereiche. In der Leitlinie wird die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit deutscher Normwertangaben negativ kritisch gesehen. So bezieht man sich auf die amerikanische TSH-Wert-Verteilung, die besagt, dass der normale Referenzbereich zwischen 0,4 – 4,0 mU/l liegt. Sollte Ihr TSH-Wert über 4,0 und unter oder gleich 10 mU/l betragen, wird zunächst eine Wiederholungsmessung empfohlen. In welchem Zeitraum dies geschehen soll, ist der Leitlinie nicht zu entnehmen. Fällt das Ergebnis der Wiederholungsmessung wieder über 4,0 mU/l aus, wird die Ermittlung des fT4-Wertes empfohlen. Sollte Ihr TSH-Wert bei der Erstuntersuchung über 10 mU/l liegen, wird die Bestimmung des fT4-Wertes sofort empfohlen.
  • fT3 und fT4-Werte (stoffwechselaktives, freies Trijodthyronin, stoffwechselaktives, freies Thyroxin): Das ausschließlich für die Stoffwechselaktivität interessante Schilddrüsenhormon ist das fettlösliche fT3. Es wird im Zellkern einer jeden Körperzelle benötigt. Das freie T4 muss dafür zunächst, z.B. in der Leber oder der Niere, deiodiert werden, d.h. in freies T3 umgewandelt werden. Dies kann bei einigen Betroffenen gestört sein, z.B. bei Patienten mit einer hashimotoassoziierten Autoimmunhepatitis. Aus der Leitlinie ist nun zu entnehmen, dass die Bestimmung des fT3-Wertes bei einem auf eine Unterfunktion hinweisenden TSH-Wertes keinen Zusatznutzen hat. Das fT4 wird bestimmt, wenn der Blutbefund des TSH-Wertes über 10 mU/l oder nach wiederholter TSH-Wertbestimmung über 4 mU/l ist. Liegt der fT4-Wert oberhalb des normalen Referenzbereiches, werden Sie zum Endokrinologen überwiesen, weil die Funktion Ihrer Hypophyse untersucht werden sollte (sekundäre Hypothyreose). FT4-Werte unterhalb des normalen Referenzbereiches sprechen laut Leitlinie für die Diagnose Primär manifeste Hypothyreose. Dagegen sprechen fT4-Werte im Normbereich für die Diagnose Primär latente Hypothyreose. Bei Beschwerdeäußerungen von Ihnen als Patienten kann Ihr Arzt jetzt noch TPO-Antikörper im Blutserum bestimmen lassen.
  • TPO-Antikörper (Antikörper gegen thyreoidale Peroxidase, früher: mikrosomale Antikörper MAK): Diese Antikörper sind lediglich ein Hinweis auf die Erkrankung Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto. Eine direkte Verantwortlichkeit für das Ausbrechen dieser Erkrankung konnte nicht nachgewiesen werden. Man kann Sie zudem auch bei Gesunden in geringer Höhe nachweisen. Da aber die Hashimoto-Thyreoiditis ein erhöhtes Assoziationsrisiko mit anderen Autoimmunerkrankungen hat, kann die einmalige TPO-Antikörperbestimmung zur Risikobestimmung und Feststellung der Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto laut Leitlinie genutzt werden. Eine weitere Verfolgung dieser Blutwerte ist nach Aussage der Leitlinie nicht sinnvoll, weil diese für weitere Entscheidungen keinen Zugewinn bietet. Zudem könne das Wissen über die Höhe und den Verlauf dieser Werte den Patienten verunsichern und die Entstehung einer somatoformen Störung begünstigen, so die Leitlinie. Unter 100 U/ml gilt als normal, 100-200 U/ml betrachten die Mediziner als Grenzbereich und Werte über 200 U/ml als Indiz für eine Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto. Nun kann für Ihren Arzt eine Therapie gerechtfertigt sein.
  • Tg-Antikörper (Thyreoglobulin-Antikörper, früher: TAK): Hier handelt es sich um das Eiweiß, an das die Schilddrüsenhormone im Kolloid des Follikellumens in der Schilddrüse gebunden sind. Diese können zwar bei vielen Patienten mit der Diagnose Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto festgestellt werden, da die Hashimoto-Thyreoiditis mit einer Mutation im Thyreoglobulingen assoziiert ist. Nach Verständnis der Leitlinie sind Tg-Antikörper aber nicht beachtenswert.